Die Täuschungskunst
Ein Thriller von J.W. Secure über digitale Manipulation, Identitätsdiebstahl und die unsichtbaren Gefahren unserer vernetzten Welt.

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Die Täuschungskunst

Die Täuschungskunst eBook : Secure, J.W.: Amazon.de: Kindle-Shop

Die Stimme am anderen Ende
Wenn Angst nicht laut schreit, sondern leise flüstert. Lara goss sich gerade heißes Wasser in die Tasse, als das Telefon klingelte. Nicht ihr Handy. Das Festnetz.
Dieses alte, graue Ding mit dem leicht spröden Klingelton, das mehr Staub als Bedeutung angesammelt hatte. Niemand rief sie dort an. Niemand außer vielleicht ihre Mutter. Oder irgendein Callcenter, das sich in seiner Zeit vertan hatte.
1
Der Anruf
"Lara… wie war dein Spaziergang heute Mittag? Der Weg entlang der alten Gleise, nicht wahr? Ruhig. Versteckt. Niemand hat dich gesehen – außer mir."
2
Die Erkenntnis
"Du trägst dieselbe Jacke wie letzten Freitag. Schwarz. Kapuze. Leichter Abrieb am Ärmel, rechte Seite."
3
Die Bedrohung
"Ich möchte dir nur zeigen, wie viel du bereits preisgegeben hast, ohne es zu merken."
Das perfekte Profil
Lara hatte in der Nacht kaum geschlafen. Am nächsten Morgen öffnete sie ihren Browser, wie jeden Tag. Routine. Dann blieb sie stehen. Eine neue E-Mail. Kein Absendername. Nur eine Adresse: [email protected]
Sie gab ihren Namen bei Google ein. Dann den Namen ihres Arbeitgebers. Dann ihren Spitznamen, den nur ihre engsten Freunde kannten. Und dort war es. Ein Profil. Ihr Gesicht. Ihr Name, leicht verändert. Ein zweiter Account, den sie nie erstellt hatte.
Gefälschtes Profil
Ein perfekter Fake mit ihren Bildern, ähnlichen Texten und einem "letzten Beitrag" von gestern über die alten Bahngleise.
Digitaler Zwilling
Nicht sichtbar in ihrem Leben – aber aktiv in einem Leben, das nicht ihr gehörte.
Mysteriöse E-Mail
"Manchmal erkennt man sich erst, wenn jemand dich aus der Ferne betrachtet. Willst du sehen, was ich sehe?"
Der Mann im Schatten
Sie erinnerte sich an ihn. Nicht an den ersten Satz, den er gesagt hatte. Aber an den Blick. Er war nicht schön im klassischen Sinne. Eher der Typ Mann, den man als "interessant" bezeichnet, wenn einem die Worte fehlen.
Es war drei Jahre her. Lara war neu in der Agentur gewesen. Er war freier Berater. Unternehmenspsychologe. Kam einmal im Monat vorbei. Mit seiner Stimme, die wie ein warmer Mantel klang. Und mit Fragen, die sich unter die Haut schoben, ohne dass man es merkte.
1
Erste Begegnung
Kühle Präsenz. Aufrechte Haltung. Diese Art von Selbstsicherheit, die nicht laut war, sondern unbequem still.
2
Subtile Manipulation
"Du hast ein feines Gespür für Dinge, die andere übersehen. Weißt du das?" Er wusste, dass sie zweifelte. Und er nährte diesen Zweifel.
3
Kontaktabbruch
Sie beendete den Kontakt, als sie eines Tages in der U-Bahn saß, aufs Display starrte – und seine Stimme in ihrem Kopf hörte.
4
Wiederkehr
Jetzt, drei Jahre später, war dieselbe Art von Präsenz wieder da. Nicht als Mensch. Aber als Algorithmus? Als Beobachtung? Als Echo?
Beobachter
Sie merkt es nicht. Noch nicht. Sie glaubt, es sei Zufall. Ein Moment. Eine Stimme. Aber sie beginnt zu spüren, dass da ein Muster ist.
Digitale Spuren
Jede Nachricht, jedes Like, jedes Gerät, sie sendet. Und ich empfange. Nicht heimlich. Nur konsequenter als alle anderen.
Verborgene Muster
Ihr altes Profilbild, von vor zwei Jahren, gelöscht, aber nie vergessen. Die Metadaten in ihren PDFs. Die Helligkeit in ihren Augen auf dem Foto von gestern.
Kontrollverlust
Sie versteht nicht, dass Wahrheit sich nicht in dem zeigt, was Menschen sagen, sondern in dem, was sie verschweigen. Sie sucht nach Kontrolle. Das ist der erste Schritt. Denn wer Kontrolle sucht, hat sie längst verloren.
Kontrollverlust
Laras Kalender war verschwunden. Nicht gelöscht. Einfach… anders. Sie saß vor dem Bildschirm, starrte auf die Termine der kommenden Woche – Termine, die sie nicht angelegt hatte.
Sie klickte auf jeden einzelnen Eintrag. Keine Details. Keine Verknüpfung. Kein Absender. Zuerst glaubte sie an einen Bug. Dann an einen schlechten Scherz. Doch in der Statusleiste blinkte der Hinweis: "Synchronisiert mit Cloud – vor 3 Minuten".
Die Risse
Lara war nicht müde. Sie war erschöpft auf eine Weise, die keinen Schlaf kannte. Sie stand vor dem Spiegel und erkannte sich nicht sofort. Die Schatten unter ihren Augen. Das angespannte Kinn. Der Blick, der länger als nötig verweilte, als würde sie prüfen, ob da noch jemand war, in ihr.

1

1
Selbstzweifel
"War das mein Fehler? Habe ich das wirklich geschrieben? Spinne ich oder stimmt hier wirklich etwas nicht?"

2

2
Misstrauen
Was, wenn jeder Klick gegen mich verwendet wird? Was, wenn jemand mein Handy durchsucht?

3

3
Entfremdung
Was gestern noch normal schien, war heute fragwürdig. Der Nachrichtenton ihres Handys. Die blinkende LED am Router.

4

4
Isolation
Sie rief ihre Freundin Nora nicht an. Weil sie nicht wusste, ob ihre Stimme gleich klingen würde. Ob sie sich erklären konnte, ohne dass es wie eine Rechtfertigung klang.
Das System dahinter
Der Hinweis kam über Umwege. Ein verschlüsselter Chatverlauf auf einem alten Gerät, das Lara nie abgemeldet hatte. Ein Fragment. Ohne Absender. "Erkenntnis kommt, wenn Muster sichtbar werden. Nicht die Daten selbst kontrollieren, sondern die Deutung."
Ein Dashboard öffnete sich. Statistiken. Diagramme. Heatmaps. Sie las Worte, die nicht für ihre Augen bestimmt waren.
8-22
Stabile Muster
Kognitive Resonanzmuster: stabil zwischen 8–22 Uhr
63%
Verdrängung
Simulierte Antwortwahrscheinlichkeit auf direkte Konfrontation: 63% Verdrängung
31%
Rückzug
Simulierte Antwortwahrscheinlichkeit auf direkte Konfrontation: 31% Rückzug
Der Reset
Zwei Tage vergingen. Oder vielleicht nur einer. Zeit fühlte sich nicht mehr an wie eine Linie – sondern wie ein Kreis, der sich immer enger zog. Lara sprach mit niemandem. Sie antwortete auf keine Nachricht.

Erkenntnis
"Ich heiße Lara. Ich bin nicht berechenbar." Es war ein Trotzsatz. Lächerlich in seiner Einfachheit. Aber er fühlte sich wie ein erster Schritt an.
Dokumentation
Sie schloss den Laptop, griff zum alten Notizbuch in der Schublade. Schrieb per Hand. "Sie sammeln Daten. Sie rekonstruieren Persönlichkeit. Sie simulieren Reaktionen."
Ausbruch
"Ich muss raus." Nicht metaphorisch. Wirklich. Kein Handy. Kein Laptop. Nur Bargeld, ein altes Prepaid-Handy und das Notizbuch.
Die Gegen-Täuschung
Die kleine Stadt, in der Lara untergetaucht war, lag still unter einer grauen Decke aus Novemberluft. Anonymität roch hier nach Kaminrauch, alten Fenstern und schlechten Datenverbindungen. Genau das, was sie suchte.
Sie saß in einem Internetcafé, das erste dieser Art, das sie seit Jahren betreten hatte. Kein WLAN, keine eigene Technik. Nur ein klappriger PC mit Tastatur und Monitor. Kreditkartenzahlung? Nicht möglich. Perfekt.
Digitale Distanz
Sie erinnerte sich an ein Gespräch. Vor zwei Jahren, beruflich. Ein Vortrag über digitale Narrative und Desinformation. "Wenn Sie je das Gefühl haben, dass Sie in Ihrer eigenen Geschichte nicht mehr die Hauptfigur sind, schreiben Sie mir."
Hilferuf
"Wir haben uns einmal getroffen. Vielleicht erinnerst du dich nicht. Aber ich brauche deine Perspektive. Es geht um Muster. Und darum, wie man sie durchbricht. Ich wurde gelesen, jetzt will ich wieder schreiben."
Antwort
"Ich erinnere mich. Wo du jetzt bist, kommst du nicht allein weiter. Aber du brauchst keine Hilfe, du brauchst einen Spiegel. Ich werde dich nicht retten. Aber ich zeige dir, was du vielleicht schon weißt."
Dunkle Geheimnisse
In den verstaubten Ecken des Internetcafés entdeckte Lara die ersten Puzzleteile. Eine gespeicherte E-Mail. Ein vergessenes Dokument. Ein System, das größer war als vermutet.
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